Auch die Medien sind schuld am Rassismus

Schlagzeile: Iman Sonstnochwer hat eine alte Dame in einer guten Nachbarschaft bedroht und beklaut. Der 70-Jährige Dresdener (Achtung: Stereotypisierung) Paul Sonstnochwer nickt innerlich. Typisch, immer diese Ausländer. Von denen schreiben die Medien nie was Gutes, die belasten unser Land doch nur unnötig. Wieder mal liest Paul so einen islamischen Namen. Überrascht ist er nicht mehr, hat er doch schon immer gewusst, dass die Muslime nur Schlimmes im Schilde führen. Am liebsten liest Paul die lokale Zeitung, oder die Bild. Er möchte gebildeter sein, als diese Hartz 4-Empgfänger, die nur vor der Glotze hocken.

Das Problem mit Pauls Wahrheit, dass Muslime nur schlechte Schlagzeilen verursachen, weil sie alle nur Schlechtes im Schilde führen, ist, dass sie nicht der Realität entspricht. Jedenfalls nicht der physikalischen Realität im engeren Sinne, sondern einer sozialen Realität, die durch die Medien in Pauls Kopf zu einem Muster zusammengefügt wird.

Ethnische Minderheiten, auch wenn es die letzten Monate kaum so scheint, sind in der deutschen Presse deutlich unterrepräsentiert. Quantitative Inhaltsanalysen der Presse beweisen, dass über Migranten in den Medien wenig und wenn nur konkret anlassbezogen

Berichtet wird. Anlassbezogen heißt demnach, dass negativer Sensationalismus, der die Entscheidung zur Auswahl einer Nachricht stark beeinflusst, Grund für die negative Konnotation von Migranten in den Medien ist.

Ein Verbrechen löst mehr Raunen im Raum aus, als eine solide Karriere von Ahmad M., der in einem Speditionsbetrieb eine Beförderung für harte Arbeit erhalten hat.

Hinzu kommt, dass Schlüsselereignisse wie die Anschläge in Paris und Brüssel, negative Berichterstattung weiter anfeuern. Die Bevölkerung bekommt das Gefühl von Überfremdung, wegen ansteigender negativer Berichte. Dabei wurde der Nachrichtenwert des Berichts von Iman Sonstnochwer durch die Anschläge einfach höher, und wurde deshalb ausgewählt. Das bedeutet nicht das die Kriminalität durch Ausländer in Deutschland plötzlich rapide angestiegen ist.

Es ist ungemein wichtig für Paul, im Hinterkopf zu behalten, dass die Nachrichten, die er in der Bild liest, nur ein Teil der Berichterstattung sind und vor allen Dingen nur ein Teil der Realität sind. Rassismus wird auch durch eine verzerrte soziale Realität gebildet. Momentan berichten die Medien vorwiegend über die „Flüchtlingskrise“. Allein der Terminus ist negativ konnotiert. Welche Krise ist eigentlich gemeint? Die Krise, die Paul Sonstnochwer bekommt, wenn er mal wieder eine Nachricht von Iman Sonstnochwer liest, die Krise, die er meint zu verstehen. Oder die Krise der Flüchtlinge, die in Mazedonien zu tausenden kampieren, mit nur wenig Hoffnung auf ein erfülltes Leben.

Die Verbindung zwischen Migranten und Kriminalität wird durch Medien exponentiell in den Köpfen der Bevölkerung vergrößert. Als Objekte von Aussagen kommen diese aber in Interviews kaum selbst zu Wort. Islam wird mit Terror verbunden. Asyl mit Überfremdung. So entsteht Rassismus.

 

 

________
Text: Larissa B.
Bild: http://goo.gl/nekubN

Hinterlasse eine Antwort