Betrug

  • EBAY: Das Land der Verführer und Betrüger

    Ebay ist an sich schon was Feines. Da kann man Sachen verkaufen, anbieten, sich mit Gott und der Welt in Verbindung setzten. Die Zielgruppe für das Anliegen der Nutzer ist demnach entsprechend genauer und größer. Ich will in Berlin einen Tisch verkaufen? Mindestens die Hälfte der nach einem gebrauchten Tisch suchenden Berliner sieht meine Anzeige. Wie gesagt, ebay ist an sich schon was Feines...aber eben nur an sich.

    Die Welt des Internets ist voll von unbegrenzten Möglichkeiten. Das Internet ist ein Hybridmedium, das es aller Welt einfacher macht an mehr oder weniger standhafte Informationen heranzukommen, Prozesse bis aufs Äußerste zu optimieren. Aber so wie jede noch so effiziente Communtiy/Stadt ein Getto hat, hat auch das Internet einen Platz der sagt, „Du bist im falschen Viertel, Du Missgeburt!“ und dich dann abzieht und dir eins auf die Fresse haut. Ebay ist sozusagen das Wilhelmsburg (Hamburg) oder das Marzahn(Berlin) von der Stadt namens WorldWideWeb. Ebay ist ein Viertel in dem die Straftatenrate doch sehr viel höher ist als in Eppendorf, quasi eine autonome Parallelkultur unter Anarchie. Wie Barbés in Paris. Wer nichts durchschaut, der stirbt. Fressen oder gefressen werden.

    Im heutigen Eintrag möchte ich ein paar Geschichten darüber erzählen, was mir auf Ebay schon so alles begegnet ist. Kriminelle ohne Gesichter, und so auch ohne jegliche Hemmschwelle ohne Scham. Ehrenlose Wortbrecher und sogar perverse Nuttendaddys. Am RAW kann man den Dealern wenigstens noch ins Gesicht sehen. Ebay aber ist voller Masken und Phantombilder.

    Die hinterhältigste Nummer ist mir mit 18 passiert. Mich hatte mal wieder das Reisefieber gepackt und ich wollte deshalb irgendwie an Geld kommen: ergo, ich musste teure Dinge in meinem Besitz verkaufen. Ich besaß eine teure Filmkamera, die ich allerdings nie nutzte. Also wollte ich sie verkaufen.

    Da meldete sich schon ein Kerl, der eher gebrochen halb Englisch halb Deutsch sprechen konnte (Alarmstufe rot, das weiß ich jetzt auch). Er gab vor die Kamera für eine Tochter kaufen zu wollen, er selbst lebe mit ihr in London. Zoll zu zahlen sei billiger als sie in Pounds in England zu kaufen. Machte für mich erst einmal Sinn. Doch als es um die Bezahlung ging wurde ich skeptisch, Paypal hatte der Herr nicht. Da googelte ich die Masche. Irgendwelche Heinis sitzen dann in England vor ihrem Computer und schicken Emails an Privat-Verkäufer aller möglichen teuren Geräte heraus ohne jede Bezahlintention. Manchmal haben sie Glück und jemand fällt drauf rein.

     

    Meist die Internetunerfahrenen die noch immer glauben im Getto vom WWW seien nur brave Bürge wie sie selbst unterwegs. Ich bin Gott sei Dank mit sowas aufgewachsen. Die Internetgeneration bekommt schon früh gelehrt, was sich da draußen im WWW alles so tummelt. „Steig nie zu einem Fremden ins Auto“, hieß es damals. Heute heißt es: „Schick Niemandem Bilder von dir, oder die Adresse oder den Aufenthaltsort.“ Zu diesem Thema haben wir alle schon genug Tatorte mitansehen müssen.

    Das Banalste ist mir erst vor ein paar Tagen passiert. Ich stellte eine Anzeige für Nachhilfe bei Ebay rein. Dort suche ich verzweifelte Eltern, die bereit sind 15 Euro die Stunde für meine Wenigkeit zu bezahlen. Viele tun das dann auch. Die meisten kontaktieren mich dann (ganz 2016) über WhatsApp. Das Profilbild kann man erst sehen, wenn man die Nummer einspeichert. Trotzdem bekam ich eine Anfrage, ob ich einen Nebenjob bräuchte.

    „Ja, Nachhilfe!“, antwortete ich. Der Herr bei Whatsapp fragte mich daraufhin, ob ich „tanzen“ könne. Dafür würde ich in 15 Minuten 70 Euro verdienen. So gut tanzt nicht mal Beyoncé. Anscheinend war der Puffpapi auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, im Studentennachhilfe-Abteil. Er entschuldigte sich für die Störung, als ich verärgert ablehnte. Aber über die Dreistigkeit lachen musste ich schon, die „Armut“ der Studenten so schamlos auszunutzen.

    Also Ebay unterscheidet sich somit nicht wirklich von der Reeperbahn, oder von irgendeinem sonstigen schlechten Viertel. Da wollen dir Leute Drogen andrehen, das Geld aus der Tasche ziehen und dich in die Prostitution locken. Was lernen wir daraus? Bei der nächsten Billy-Regal Abholung am besten den Papa/Freund/Miet-Bodyguard mitbringen. Man weiß nie wer hinter der netten Ebay-Maske steckt.

     

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: http://goo.gl/myVzAI

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