Blau Rot Weiß – Nationalstolz erwünscht: Der Super Bowl 2016

Vergangene Nacht, ca. 3 Uhr nachts hier in Deutschland, fand der amerikanische Super Bowl statt. 65.000 Fans fanden sich im Levi’s Stadion in Santa Clara in Kalifornien ein. Einige wenige Sportbegeisterte blieben auch hier so lange auf, um bei dem größten amerikanischen Sportevent dabei zu sein. Der Superbowl ist dort quasi gleichzusetzten mit einer Fußballweltmeisterschaft in Berlin mit der deutschen Nationalmannschaft im Finale.

2006 wehten auf einmal auch wieder tausende deutsche Flaggen aus den Fenstern. Ein ungewohnter Anblick – da Nationalstolz in Deutschland ein fast so großes Mahnmal ist wie der Geschichtsunterricht in der Schule. Er ist nur erlaubt, wenn es um dieses kleine Runde Ding geht, dass unsere 11 durch die Gegend kickt. In Amerika ist Nationalstolz bekanntlich eine kollektive Pflicht. Wer nicht Flagge zeigt ist nicht amerikanisch, und wer nicht den Super Bowl schaut noch viel weniger.

Auch dieses Jahr war das Event viel mehr als nur ein Football-Spiel. Der Super Bowl ist beinahe zu einem nationalen Feiertag geworden. Für die Werbepausen werden jahrelang Konzepte für die sündhaft teuren Werbeplätze ausgearbeitet, die eigens nur für den Superbowl entworfen werden. Die Resonanz und die Erreichbarkeit des Publikums sind an diesem Tag unübertroffen.

Absolute Megastars feiern bei der Super Bowl-Feier ihre amerikanische Herkunft, es ist ein riesiger Aufriss in blau-rot-weiß. Amerika bestätigt sich selbst, dass es das angeblich größte Land der Welt sei und feuert die Panther oder die Broncos mit Stolz erfüllten Herzen an.  Lady Gaga sang in einem roten Glitzeranzug, mit blauen Fingernägeln und weißen Brillanten besetzten Mikrofon die Nationalhymne und wird seither von allen in höchsten Tönen gelobt. Eine Eskapade hätte sie sich bei diesem Event auch nicht leisten können.

Den Super Bowl kann man aus europäischer Sicht mit zweierlei Maß messen:

Einerseits fragt man sich, warum dieser naive, mythologie-behaftete Patriotismus in Amerika noch so in den Himmel gehoben wird, obwohl doch alle Welt weiß, dass das Land politisch, ökonomisch und sozial schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Zukunft des Landes sieht aus deutscher Sicht mit einem Kandidaten wie Donald Trump auch alles andere als gut aus.

Auf der anderen Seite ist da ein gewisser Neid. Die Amerikaner dürfen stolz auf ihr Land sein, sie dürfen sogar die Wahrheit dafür ausblenden. Teilweise dafür belächelt, teilweise bewundert, aber in Amerika selbst sagt niemand etwas gegen eine gute Portion Patriotismus. Es ist ja nicht so als hätte Amerika ebenfalls eine Geschichte der rassistisch motivierten Verbrechen vorzuweisen, nein, Amerika hat noch immer genau solche Probleme.

In Deutschland ist jeglicher Nationalstolz eine neue Pegida-Bewegung. Positiven Nationalstolz, der auf unseren Stärken und gemeinsamen Werten beruht sucht man hier vergeblich – eben außer zur Fußball-WM. Wie kann es sein, dass ein runder Ball unser einziger Stolz ist? Wie kann es sein, dass Nationalstolz für rechte Bewegungen instrumentalisiert wird?

Es ist eine gefährliche Gradwanderung zwischen Nationalstolz und neuer Nationalsozialismus. Aber nur, weil bisher kein positiver Nationalstolz entwickelt wurde. Die Angst und die Scham überwiegt auch nach 70 Jahren noch. Reflexion ist gut und muss beibehalten werden. Aber positiven Nationalstolz (ohne die historischen Lügen und Ausblendungen) wie beim Super Bowl in Amerika kann diesem Land nicht schaden.

 

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Text: Larissa B.
Bild: http://goo.gl/WOMq7d

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