Die Acadamy Awards - #Oscarssowhite

Die meisten Filme, die wir Deutschen heutzutage so in den Kinos sehen sind nicht deutsch. Wir haben uns stillschweigend und schleichend an die Art und das Format der Filme gewöhnt, die über den großen Teich schwappen. Das ist im Grunde genommen schon seit der Besatzungszeit ab 1945 so, bis Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer ab und zu wieder einen Film über ‘ne Omi, ‘nen Opa oder ein verunstaltetes Kuscheltier raushauen. Nach dem allgemeinen Hype um die Filme mit leichtem Gelbstich sind alle Filme, die wir schauen, wieder mehr oder weniger gut synchronisiert.

In den USA ist Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe noch immer ein großes Thema – so auch in der Filmindustrie. Vor kurzem wurden die Nominierungen für die Oscarverleihungen 2016 verkündet. Seitdem bevölkert ein Hashtag das Internet: #Oscarssowhite – zu deutsch „Oksarssoweiß“. Das liegt daran, dass obwohl jede Menge vielversprechende Projekte mit afro-amerikanischen Hintergrund, wie z.B. Selma oder Creed, zu Auswahl standen, mit keiner Nominierung beglückt wurden.

Schon seit einiger Zeit wollen Verfechter für totale Gleichheit einen Boycott der Oscars hervorrufen. Richtig klar ist tatsächlich nicht nach welchen Kriterien die Acadamy ihre Gewinner auswählt. Schließlich hat der arme Leonardo DiCaprio trotz Nominierungen und etlicher nennenswerter Filme immer noch kein goldenes Männchen in den Händen halten können – zur Empörung der gesamten Internetgemeinde.

Als Gegenbewegung zu den weiß-heterodominierenden Männern der Acadamy haben viele afro-amerikanische Regisseure, darunter Selma Regisseurin Ava DuVerney, ihre eigenen Organisationen gegründet. Sie sieht zwar einen Missstand in dem Hollywood-Studio-System,

Es ist unausgewogen. Wir sehen zu viele Filme mit derselben Stimme, aus derselben Perspektive: der von weißen, heterosexuellen Männern."

Sagt aber dennoch, dass es nicht zu ernst genommen werden solle. Sie warnt davor sich in eine solche Debatte zu verrennen.

"Wir wissen, dass das alles lächerlich ist. Es ist ein Zirkus! Es gibt keinen wirklichen Fortschritt, keine relevanten Veränderungen, keine Chancengleichheit. Das alles existiert nicht."

Obwohl der „Shitstorm“ im Internet wohl etwas übertrieben ist, scheint es als guter Denkanstoß vor allen Dingen für nicht-amerikanische Zuschauer zu sein. Wir sehen diese Filme nicht nur aus der einen „weiß-heterosexuellen“ Perspektive, sondern auch noch als Produkt einer genormten Hollywood-Kultur. Oft machen diese Filme es den Frauen schwer Liebe als Liebe zu erkennen und Männern klar, dass sie ohne Muskeln und Millionen Dollar kaum etwas werden können. „Oscarssowhite“ ist übertrieben, aber sagt viel über Amerika aus und die noch immerwährende hitzige Debatte über Rassentrennung.

Es sagt aber auch viel über uns aus. Haben wir uns schon sehr an dieses Oscar-Kino gewöhnt, oder können wir noch alternativ?

 

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Text: Larissa B.
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