Hitler

  • Hitler, der Bestseller-Autor

    Vor dem Hintergrund des momentan laufenden NPD-Verbotsverfahrens ist auch die Ausgabe eines bestimmten Buches seit Anfang des Jahres wieder in den Vordergrund der Gesprächsthemen gerückt. „Mein Kampf“ wurde bekanntlich als kommentierte Version im Januar 2016 für den Verkauf freigegeben. 3,700 Fußnoten verteilen sich auf 2,000 Seiten.

    Keiner mag verleugnen, dass dieses Land im Zuge der Flüchtlingskrise einen Rechtsruck erfährt. Die AfD nimmt in Sachsen zweistellige Prozentbeträge für sich ein. Auf der anderen Seite will das Verfassungsgericht gegen die weitaus radikalere NPD vorgehen. Aufgrund der niedrigen prozentualen Wählerschaft könnte dies aber schwierig werden. Ein rassistischer Werbespruch wie „Ausländer raus!“ kann rechtlich nicht Teil eines solchen Verfahrens sein.

    Kann das Vermächtnis Adolf Hitlers in diesen Zeiten gefährlich werden? Experten dementieren gefährliche Effekte auf Neonazis. Das Buch sei nur wieder in die Bestseller-Liste aufgestiegen, weil Fachleute und Geschichtsinteressierte das Buch lesen würden. „Mein Kampf“, landet mit über 24.000 Verkaufen auf den 11.Rang der Spiegel-Bestseller Liste. Darf derartiges Gedankengut, ob mit Kommentaren oder nicht, in die Öffentlichkeit entlassen werden?

    „Mein Kampf“ könnte drei Effekte haben.

    Erstens, es könnte aufstacheln, vor allen Dingen Neonazis eine begründete Basis für ihren Fremdenhass geben. Obwohl das Buch über und über mit Fußnoten übersäht ist, ist eine Version ohne diese Anmerkungen nicht schwer im Netz zu veröffentlichen.

    Zweitens könnte es aber auch abschrecken. Geht man von einem demokratisch-denkendem Rezipienten aus könnte sich der Schrecken der Geschichte in dessen Kopf manifestieren. Und drittens, es könnte unsere Überzeugungen überhaupt nicht beeinflussen. Schließlich sind wir alle kein unbeschriebenes Blatt.

    Die Menschen als unmündige Rezipienten zu betrachten, ist ein genauso großer Fehler wie mutwillig rechtes Gedankengut zu verbreiten (siehe NPD, oder sogar die geliebte Frau Petri). Jemand, der aus Überzeugung die NPD wählt oder die AfD wählt, weil er meint von der Politik nicht mehr vertreten zu werden, wird seine Überzeugungen nicht durch ein Buch beeinflussen lassen.

    Es ist wahr, dass vor allen Gebildete das Buch untersuchen. Man kann bezweifeln, dass ein überzeugter Neonazi (und ohne dessen soziale Herkunft zu dementieren) für die kritisch überarbeitete Version von „Mein Kampf“ 50 Euro oder mehr ausgeben wird. Ein Rassist braucht keine Beweise aus der Vergangenheit. Seine rechte Ideologie kann er über die aktuelle Situation wie einen Handschuh stülpen.

    Die Veröffentlichung von „Mein Kampf“ zeigt Vertrauen in den Menschen. Vertrauen in die Bildung und die Reflexion des Menschen. Sprache und Selbstreflexion sind zwei der Dinge, die uns von einem Tier unterscheiden. Kritisch zu sein, heißt Mensch zu sein. Deshalb ist es gut, dass das Buch wieder zugänglich ist. Der Glaube an Reflexion ist nicht naiv, sondern wissenschaftlich belegt. Zuvor glauben die Menschen, was sie glauben wollen. Jeder Mensch ist ein eigenes Buch. Nur wenige Zeilen bieten Platz für neue Ideologien. „Mein Kampf“ wird diese aber nicht füllen.

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: https://goo.gl/OFQhFd

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