Karneval der Kulturen – Berlins Ruf auf den Straßen

Was der Hafengeburtstag für Hamburg ist, ist der KdK für Berlin: Ein Aushängeschild für das, was die Städte angeblich ausmacht. Der Karneval der Kulturen ist ein viertägiges urbanes Fest, das die Diversität der Stadt ausdrücken soll, manchmal gelingt das ganz gut, manchmal muss man sich eher fremdschämen und würde für ein wenig mehr Konservativität plädieren.

Mit 73 Wagen zog der KdK dieses Jahr teilweise durchnässt durch die überfüllten Straßen Neuköllns und Kreuzberg. War der Hermannsplatz früher als einer der berüchtigtsten Orte Berlins bekannt, feiern heute hier Hipster und Hippies Seite an Seite mit koreanischen Touristen, denen der „Kulturschock“ vor so viel Toleranz auf die Stirn geschrieben steht. Sie bejubeln die vor allem asiatisch und südamerikanisch thematisierten Wagen, die die Berlinversion ihrer Kultur darstellen. Jeder asiatische Wagen scheint sich mit dem Gangnam-Style oder einer verkorksten Version von Michael Jackson zu identifizieren. Was soll’s. Berlin klettert auf Litfaßsäulen, U-Bahnhöfe und Laternen. Berlin ist glücklich.

Hinter Wagen 54 tanzen kaum authentische Sambatänzerinnen. Einige von den Möchtegern-Brasilianerinnen sind weit über 50, tragen ohne Scham ihre Speckröllchen vor sich her und haben das dunkelste Make-Up aufgetragen, um ein wenig glaubhafter zu wirken. Sie erfreuen sich an der Aufmerksamkeit, die sie einmal im Jahr bekommen.

Einerseits kann man nicht weggucken, fast wie bei einem Autounfall. Andererseits, wenn man sich die Prämisse, unter der der KdK steht, noch einmal vor Augen führt, ist es dann auch irgendwie schön. Alle feiern, alle sind glücklich. Wen interessiert’s ob es peinlich ist. So ist doch die ungezwungene Devise von Berlin, oder nicht? Da wird es auf dem Oktoberfest oder beim doch so deutschen Karneval in Köln um einiges peinlicher.

Was diese Feste allerdings vereint, sind die neuen Maschen der Partytaschendiebe. Der Antanztrick, bei dem sich eine Gruppe Männer um einzelne Frauen versammeln und diese sexuell belästigen, antanzen und beklauen, ist auch beim KdK wieder vorgekommen. Es scheint als sei dieser Trick, der für die AfD zum Symbol der scheiternden Integration von Flüchtlingen geworden ist, tatsächlich „in Mode“ gekommen.

Auch am KdK wurden dieses Jahr zahlreiche sexuelle Belästigungen gemeldet. Wo Alkohol fließt und Anmachen in den Menschenmassen keine Seltenheit sind, haben es die Antanzdiebe mehr als leicht. Was aber so erschreckend an dieser Form der organisierten Kriminalität ist, sind die geplanten Dehmütigungen der Mädchen.

Laut der Berliner Polizei waren die Opfer zwei Mädchen im Alter von 17 und 18. Sie versuchten aus der Umzingelung, doch die jungen Männer zogen sie immer wieder in den Kreis. Ein Beobachter sah wie einer der Männer die Jüngere von beiden von hinten umarmte, woraufhin diese sich auf den Boden setzte.

Diversität und Offenheit werden also trotz des Mottos (hoffentlich nicht in die falsche Richtung) auf die Probe gestellt. Deswegen bleibt Kulturdiversität hier aber immer eher ein Mischmasch. Berlin-äußere Kultur; äußere Kultur-Berlin. Karneval der BERLINER Kulturen eben.

 

 

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Text: Larissa B.
Bild: http://goo.gl/xaynYn

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