Lebensmittel

  • Lebensmittel: Wie Bio ist Bio eigentlich?

    Das Bio-Heiligtum

    Vor einigen Tagen war eine bayrische Freundin in Berlin zu Besuch. Sie ist ebenfalls Studentin und schaute wenige Minuten nach ihrer Ankunft bereits in meinen Kühlschrank.

    „Puh, hab’ ich Hunger. Hast du was mit Hähnchen da?“, sie nahm das verpackte Hähnchen aus dem Supermarkt in die Hand und schürzte die Lippen. Anschließend nahm sie die JA!-Milch von Rewe in die Hand. Ein erneut abfälliger Blick. Nach einigen Augenblicken sprach sie ihre Bedenken aus: „Kauft ihr denn hier kein Bio?“

    In der kleinen bayrischen Kleinstadt, in der sie lebt, ist es anscheinend auch für Studenten üblich, immer nur Bioprodukte zu kaufen. Der Kauf dieser Lebensmittel sei keine Preisfrage, sondern eine Qualitätsfrage. Wenn man den durchschnittlichen Aufschlag von 30-100 Prozent auf Bioprodukte betrachtet, bleibt einem als Student allerdings schon mal die Bio-Ketchup-Nudel im Hals stecken.

    Nach dem Vortrag über das Heiligtum Bio meiner Freundin, fragte ich mich: Wie Bio, also wie gesund und ökologisch, ist Bio eigentlich?

    Ist Bio gesünder?

    Es herrscht die allgemeine Vorstellung das ein Bioprodukt automatisch auch gesünder ist. Diese Behauptung ist bislang nicht eingehend bewiesen. Was bewiesen ist ist, dass Bioprodukte so gut wie keine Pestizide enthalten und deshalb schon weniger ungesund sind als normale Produkte, die eventuelle Pestizide enthalten.

    An dem Nährstoffgehalt der Lebensmittel ändert sich jedoch nichts. Bio-zucker bleibt genauso ungesund wie herkömmlich angebauter Zucker. Bioprodukte können auch entgegen populärem Wissen mit zugelassenen Zusatzstoffen versetzt werden.

    In Ausnahmefällen dürfen Tiere auch mit Antibiotika behandelt werden. Ein Bioprodukt ist also keine Garantie für antiobiotikafreies Fleisch.

    Ist Bio regionaler?

    Nein. In den Supermärkten liegen leider viel Importprodukte. Weshalb Bio nicht gleich nachhaltig, also nur umweltfreundlich, ist. Der Markt ist so stark gewachsen, dass die Bauern kaum mit der Nachfrage mithalten können. Bioprodukten werden aus der ganzen Welt geliefert. Die Klimabilanz ist also fragwürdig.

    Mit saisonalen lokalen Lebensmittel kann dem entgegengewirkt werden. Muss dann beim lokalen Bauern auch nicht zwingend Bio sein.

    Ist Bio durchschaubar?

    Viele Käufer von Bioprodukten kaufen diese, um die Herkunft und Zusammensetzung der Produkte genauer verfolgen zu können. Allerdings sind die Bestimmungen für Bioprodukte in Europa nach relativ vage und mit den verschiedenen Zertifikaten auch völlig verschieden. Das sechseckige Biozertifikat Europas bietet „nur“ den Standard. Teilweise werden in der EU für Bioprodukte sogar Zutaten aus konventionellem Anbau zugelassen.

    Ist Bio immer teurer?

    In den Supermärkten sind Bioprodukte mit Sicherheit keine Seltenheit mehr. Bei dm, Budni, Rossmann und Co. gibt es im Sortiment der Lebensmittel sogar fast nur ausschließlich Bioprodukte. In den normalen Supermärkten sind rund fünf Prozent der Produkte bereits Bio. Sogar Billig-Discounter wie Aldi und Lidl ziehen bei dem Trend mit. Das macht Bio auch erschwinglich für Ottonormalverbraucher.

     

    Bio ist nur wirklich Bio, wenn der Verbraucher weiterhin auch über Herkunft und Saisonalität des Produktes recherchiert. Blind Bioprodukte zu kaufen und mehr Geld für diese auszugeben, nur weil es angeblich besser ist, ist Schwachsinn. Also bedachtes Kaufen ist gut. Bio als moralisches Beruhigungsmittel eher weniger.

     

    Quelle:

    • http://getslimer.net/wp-content/uploads/2013/02/Bio-Lebensmittel.jpg

     

     

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