Leo in Gold und Hollywood in Weiß – Oscars 2016

Während Deutschland noch in den Federn schlummerte, rastete die Internetgemeinde der USA völlig aus. Um 6 Uhr morgens, kaum richtig wach, wurde man mit Oscarmeldungen bombardiert. Endlich hat er das Ding, das goldene Männchen, das der Hollywood-Gemeinde so viel wert ist. Leonardo DiCaprio hat bei seiner sechsten Nominierung endlich einen Oscar abgesahnt.

Für „The Revenant“, einen Überlebenswestern, in dem DiCaprio unter anderem eigenhändig mit einem Bären in der Wildnis kämpft, gewann er in der Kategorie Bester Hauptdarsteller. Für Leo gab es von den auf Hochglanz polierten Stars sogar Standing Ovation – 22 Jahre nach der ersten Nominierung als bester Schauspieler.

In seiner Rede thematisierte er den Klimawandel. „Der Klimawandel ist real – und es passiert jetzt! Wir sollten zusammenarbeiten und nicht länger alles aufschieben!“ In „The Revenant“ ginge es um die Beziehung des Menschen zur natürlichen Welt. „Lasst uns diesen Planeten nicht für selbstverständlich nehmen. Ich sehe diese Nacht nicht als selbstverständlich an!“ Das tun wir auch nicht Leo, wir sitzen nämlich höchstens vorm Fernseher. Der Running-Gag von DiCaprio ohne Oscar ist jetzt aber leider gestorben.

Obwohl Leos Oscar wohl für viele das einzig Interessante an der Verleihung war, wurden während der Show auch andere wild diskutierte Themen adressiert. Chris Rock moderierte die Nacht in einem WEIßEN Anzug und haute mit seiner Eröffnungsrede so richtig auf den Tisch. Schon Monate zuvor wurde im Netz eine mögliche rassistische Tendenz Hollywoods unter dem Hashtag #Oscarssowhite debattiert. Einige Größen Hollywoods boykottierten die diesjährigen Oscars sogar. Alle zwanzig Nominierten in den wichtigsten Kategorien waren weiß.

Die Academy hatte mit dem Host Chris Rock sich gut aus der Misere gezogen. Dieser behielt kein Blatt vorm Mund, zog die Debatte aber auch ein wenig ins Lächerliche.

Chris Rock provozierte das Publikum und die Boykotten indem er sie fragte warum denn erst jetzt Zweifel aufgekommen seien. Schließlich sei es 70 Jahre zuvor auch nicht anders gewesen. Nur „wenn die Großmutter am Baum hängt“ (eine Anspielung auf das Lynchen im Süden Amerikas der 50er, 60er Jahre), habe man einfach andere Probleme, als sich um die Oscars  zu kümmern.

Worum geht es also noch bei den Oscars? Um gute Filme? Um den Geschmack der Academy? Oder doch um Weltpolitik? Bei diesen Oscars standen nicht der Film sondern alle anderen Themen im Vordergrund. Es ging nicht darum, ob „The Revenant“ wirklich so herausragend war, sondern darum, ob Leo endlich seinen Oscar bekommt. Darum, dass Hollywood eine lupenreine, und wie in Chris Rocks Fall, weiße Weste trägt, wenn es um moralische Aufarbeitung geht.

Und doch stakst Hollywood in sündhaft teuren Roben mit Botox Lächeln über den roten Teppich. Die Welt sympathisiert sich mit Leonardo Di Caprio, der in seiner Freizeit zehn zwanzigjährige Models auf seiner Yacht versammelt. Real Talk über Rassismus, Missbrauch und Klimawandel scheinen aus dieser Sicht dann doch etwas weit hergeholt.

 

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Text: Larissa B.
Bild: https://goo.gl/cVRIJa

 

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