Löwenzahn blüht nicht ewig: Pusteblume!

Vor zwei Tagen ist ein Stück Kindheit von uns gegangen. Peter Lustig starb im Alter von 78 Jahren im Kreise seiner Familie. Er war aber nicht nur irgendein Moderator oder Autor einer Kindersendung. Er hat Generationen die Welt erklärt – eine Welt, wie sie sein sollte.

Als ich von seinem Tod erfuhr ging mir das Gedudel des Intros von Löwenzahn durch den Kopf, sie wird mich auf ewig an die Momente erinnern, die sie repräsentiert. Als ich klein war, lief Löwenzahn immer Sonntagmorgen auf ZDF. Scheinbar geplant, um Kindern ihre Fragen über diese komplizierte Welt von Peter Lustig beantworten zu lassen. Nicht von den todmüden Eltern, die um acht Uhr morgens an ihrem wohlverdienten Wochenende keine Kraft aufbringen konnten, die hundert Fragen aus dem Kindermund zu beantworten. Ja, Sesamstraße lehrte uns: wer nicht fragt, bleibt dumm!

Peter Lustig, in seiner Jeans-Latzhose und mit der Nickelbrille auf der Nase, hat es geschafft mir eine Welt zu zeigen, die ich verstehen konnte, in der alles mit Naturwissenschaften zu erklären ist. Seine Welt ging kaum weiter als das immergrüne Grundstück groß war, auf dem sein blauer Wohnwagen stand. Ein Kindertraum-Spielplatz. Wäre da nicht Herr Paschulke, sein pessimistischer Nachbar, der immer mal wieder ein Problem mit Peter Lustigs Experimenten hatte, oder überhaupt mit Allem und Jedem. Er personifizierte den grillenden verhassten Spießer, der die Kinder der Löwenzahngeneration noch immer mit falscher Freundlichkeit in den Wahnsinn treibt.

Beinahe autark kreierte die Figur, die Lustig nicht einmal groß spielen musste, ein Leben weit weg von Komplikationen oder Zwang. Schließlich erleben so auch Kinder ihre Welt, es dreht sich auch alles um ihren eigenen Wohnwagen. Alles andere, wie Herr Paschulke, hält nur vom Spielen ab und ist Hindernis zum Glücklichsein. Diese Philosophie sollte ich mir auch heute noch öfter ins Gedächtnis rufen.

Wie oft haben wir versucht den aus Stühlen gebastelten Treppenaufgang auf das Dach des Wohnwagens in Form eines Baumhauses nachzubauen? Wie oft musste Mama irgendwelche verrückte Zutaten für ein Experiment aus dem Supermarkt mitbringen, das wir bei Löwenzahn gesehen hatten?

Während Peter Lustig in seinen kleinen Narrationen die vierte Wand des Fernsehens durchbrach, machte ich schon Pläne für den Tag. Löwenzahn verbinde ich mit Frühstück und anschließendem stundenlangen Schaukeln im Garten – eine behütete Kindheit eben. Die kleinen und großen Abenteuer auf den Straßen einer Vorstadt. Und komischerweise ist in meiner Kindheitserinnerung, genau wie bei Peter Lustig, fast immer Sommer. Und wenn es regnete, wusste ich dank Löwenzahn zumindest warum.

Mag der eine oder andere bereits vergessen haben, welche lebensunwichtigen Dinge im Abitur drankamen, kann man sich oft noch an das Wissen erinnern, das man von Peter Lustig erlangte. Ich habe das Intro beim Schreiben vor meinem geistigen Auge. Ein Löwenzahn knackt die Straße und die Blume – von meiner Oma strikt als Unkraut angesehen – bevölkert  die Stadt. Der Löwenzahn sollte auch unsere harte Schale mal wieder durchbrechen. Ein Symbol der neuen Grünen der Achtziger – als Vorstadt-Kind auch die einzig plausible Weltanschauung

Peter Lustig hat in über 25 Staffeln und 197 Folgen ein Stück deutsche heile Welt Kulturgut hinterlassen. Damit wird Löwenzahn in den Herzen seiner Generationen ewig blühen. Nostalgisch beende ich diesen Eintrag. Danke, Peter Lustig, für diese Erinnerungen. Mit seiner Aufforderung an die Kinder verabschiede ich mich, „jetzt kommt ja eh nichts mehr, also abschalten!“

_____________
Text: Larissa B.
Bild: https://goo.gl/iqCL7i

 

Hinterlasse eine Antwort