Misstrauen

  • Sind wir politikverdrossen?

    Gestern war er wohl, der (links-)politischste Tag des Jahres: 1. Mai. Der Tag, an dem Ältere zu Hause bleiben und wütende Studenten die Straßen fluten. Vor 20 Jahren war Deutschland durch das Ost-West-Verhältnis noch so richtig politisch interessiert. Es ging um Grundsätze der Politik, generelle Positionen, die ein jeder vertreten würde oder eben nicht. Es waren Zeiten, in denen junge Studenten noch auf die Straßen gingen. Zeiten, in denen sie noch eine Meinung hatten und für sie einstanden.

    Durch diese starken Meinungen kam es oft zu den Ausschreitungen am 1. Mai. Auch heute gibt es noch einige Festnahmen. 2016 aber verlief der 1. Mai ruhiger als gewohnt. In Berlin war das Maifest vielmehr ein Fest der Liebe zum Biertrinken und Kiffen. Von politischen Engagement war bis 8 Uhr abends nichts zu spüren. Auch in der Sternschanze in Hamburg gab es laut Polizei deutlich weniger Ausschreitungen.

    Was bedeutet das also für die jüngere Generation unserer Gesellschaft? Haben wir plötzlich kein Interesse mehr an Politik? Geht es uns zu gut und sagen wir zu allen Gesetzesentwürfen ja und amen?

    Außer bei wirklich linken Studentenbewegungen ist der politischer Charakter des 1.Mais völlig verloren gegangen. Aber auch dieser Tag ist Ausdruck einer von Konsum geleiteten Gesellschaft, die sich höchstens um Steuererhöhungen schert. Aufschreie werden zu Einzelereignissen wie Böhmermann oder der Grenzschließung groß, flachen aber genauso schnell ab wie sie gekommen waren.

    Trotzdem ist der 1.Mai keine Repräsentation einer Politikverdrossenheit. Die Wahlbeteiligung ist nicht signifikant niedriger. Was stimmt ist, dass Politikverdrossenheit von den politischen Gegebenheiten selbst ausgelöst wird. Früher wählte man die CDU, weil man das Unternehmertum unterstützen wollte und die SPD, um die Arbeiter zu stärken. Deutschland ist nicht mehr so nah an politischen Ereignissen beteiligt wie bis 1990.

    Politisches Interesse scheint aber dennoch wieder näher zu kommen. Je „krisenbelasteter“ das Land von einem auf den anderen Moment ist, desto mehr Meinungen entstehen. Meinungen hat Deutschland zumindest, vor allen Dingen zur Flüchtlingskrise. Anscheinend hat aber die Politik Schwierigkeiten diese unter ihren Parteien aufzuteilen. Sind wir politikverdrossen? Höchstens, weil es die Politik selbst forciert.

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: http://goo.gl/cF4F5B

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