Sterneurlaub im KZ

In der Adria steht ein Fort, umrandet von einem winzigen Stück Land und wunderschönem blauen Wasser. Es ist eine malerische Kulisse. Mamula, so der Name der kleinen montenegrinischen Insel, ist praktisch prädestiniert zu einer kleinen Goldgrube. Perfekt für den Luxustourismus, der ein wenig Exklusivität und Einsamkeit verlangt. Wäre da nicht ein Problem, oder gar ein Segen? Das Fort wurde im 19. Jahrhundert errichtet und diente Italien im zweiten Weltkrieg als Konzentrationslager.

Montenegro hat die Insel für 49 Jahre an die schweizerisch-ägyptische Investmentfirma Orascom vermietet, die daraus nun mit 15 Millionen einen Erholungsort der Superlative, mit Spa, Nachtklub etc. zaubern will.

In diesem Konzentrationslager sind mindestens 80 Menschen hingerichtet, und 50 Menschen unter dem faschistischen Regime verhungert. Einen Ort, der für die vielen Gräueltaten des zweiten Weltkrieges steht zu einem Zentrum der Entspannung umzubauen scheint absurd, viele Angehörige der damals Inhaftierten protestieren. Sie wollen, dass die Insel nicht als Hotel, sondern als Gedenkstätte für Besucher zugänglich wird. Das Begehren wird abgelehnt, mit Gedenkstätten lässt sich ja kein Geld verdienen.

Nun hat wahrscheinlich nicht einmal der größte Geschichtsnerd von Mamula gehört. Man möge sich allerdings einmal vorstellen, dass aus dem KZ in Ausschwitz eine Jugendherberge für Schulklassen genutzt würde. Die reisen doch sowieso ständig dahin, warum nicht auch damit Geld machen? Allerdings kann nicht garantiert werden, dass aus den Duschen bloß Wasser herauskommt. So makaber wie diese Vorstellung ist, ist auch das geplante Hotel auf Mamula. Die KZ in Deutschland und Polen lassen immer noch tausende von Gäste erschaudern, in Erinnerung an die Verbrechen von damals.

Es ist nicht anders, als ein makabrer Scherz zu betiteln. Ein KZ abzureißen, das Vergangene in der Vergangenheit zu lassen und anschließend daraus Profit zu schlagen, ist eine Sache. Eine andere ist es, Ruinen, in denen ein solches Leid geschehen ist, gar auszunutzen.

Es wird bestimmt Menschen geben, die sich dort den ganz besonderen Kick holen möchten.

Andere werden die Vergangenheit des Hotels komplett ignorieren.

Beides ist nicht die richtige Art, Geschichte aufzuarbeiten.

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Text: Larissa B.
Quelle: http://ovationdmc.com/wp-content/uploads/2015/09/Mamula-3.jpg

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