Und plötzlich ist sie da; die Angst

Shooting am OEZ in München

Die Gewalt, der Tod und eben auch die Angst waren immer bei unseren Nachbarn. Seit 9/11 ist Deutschland weitgehend verschont geblieben von den schrecklichen Blutbädern und Anschlägen. Frankreich hatte vor allen Dingen in den letzten beiden Jahren mit den meisten Anschlägen Europas zu kämpfen, aber auch in Spanien und England starben Hunderte. Ob durch eine religionsextremistische Tat oder durch einen rechtsradikalen Fanatismus wie in Norwegen.

Gestern Abend gegen 18 Uhr fielen am Olympia-Einkaufszentrum im Norden Münchens plötzlich Schüsse. Ein 18-Jähriger deutsch Iraner tötete mindestens 10 Menschen, inklusive sich selbst. Videos, die im Internet kursieren zeigen einen Dialog mit einem Zeugen, der von seinem Balkon aus einen guten Blick auf das Deck des Einkaufszentrums hatte. Der vermutliche Attentäter wird in diesem Video von dem Zeugen beschimpft, während sich der Mann mit der Waffe in der Hand lediglich rechtfertigt. „Ich bin Deutscher! Hört auf zu filmen!“ Viele seiner Sätze bleiben unverständlich. Worte über eine psychische Behandlung stechen heraus, über Hartz VI.

Motiv Noch Unklar

Motive des Attentäters werden momentan von der Polizei noch analysiert, weshalb derzeit nur Spekulationen darüber möglich sind. Nach einer religiös motivierten Tat hört sich der Dialog im genannten Video aber nicht an. Eher nach einer Art Amoklauf von einem unzufriedenen Jugendlichen, der eventuell psychische Probleme hat. Es ist die Art der Shootings, die uns aus den USA nur all zu gut bekannt sind.

Einen Unterschied gibt es aber dennoch zu diesen Shootings. In den USA kann man teilweise im Supermarkt eine Waffe kaufen. Hier in Deutschland sollte der Besitz einer Waffe sehr viel auffälliger sein. Weshalb dieser Fakt den Ermittlern der Polizei entgangen ist, bleibt unklar. Wo bekommt ein so junger Mensch eine Waffe her? Da ist die Vermutung wiederum nicht weit, dass er Hilfe hatte, und dass es doch kein Einzeltäter war.

Was solche Vermutungen hervorrufen, ist Angst. Angst kann Deutschland wirklich nicht gebrauchen, denn es ist die Basis für irrationale und nicht-fundierte Entscheidungen. Merkel hat sich bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Recht hat sie schon. Trotzdem braucht Deutschland sie jetzt. Die geängstigten, instabilen Menschen, mit einem Hang zum Rechten, die brauchen Merkels Statement jetzt.

Wir brauchen Sichtbare Sicherheit

Die Menschen brauchen eine Versicherung, dass Polizeipräsenz endlich sichtbarer wird. Dass die deutsche Polizei bereits Attentate verhindert hat, und einen guten Job macht, ist klar. Es geht aber vor allem darum, in diesen unsicheren Zeiten das Gefühl der Angst in der Bevölkerung zu kontrollieren. Angst ist eine Waffe in den Händen jeder, die sie zu missbrauchen wissen.

Es kursieren in der Politik immer wieder Debatten über eine erhöhte Sicherheit in Deutschland, die nach dem gestrigen Abend mit Sicherheit wieder aufflammen werden. Bedeutet eine erhöhte Sicherheit die Gefährdung unseres Rechtsstaates? Diese Frage ruft eine äußerst demokratisch, theoretische Debatte hervor – wie überaus deutsch.  Ein Mittelweg muss gefunden werden.

Eine starke Front zu zeigen, wie Merkel es schon längst hätte tun müssen, ist ungemein wichtig. Sogar der US-Präsident äußerte sich bereits über den Vorfall, während die Kanzlerin schweigt. Theoretisch eine sehr bedachte und weise Entscheidung. Aber vor dem Angesicht der Angst sind bedachte und langsame Entscheidungen praktisch einfach nicht mehr genug.

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