USA

  • Alte Debatte, neuer Geldschein: Harriet Tubman auf der 20-Dollar Note

    Momentan bekleidet Präsident Andrew Jackson den 20-Dollar Schein der USA. Der Präsident ist einer der kontroversesten Präsidenten aller Zeiten. Bekannt ist er für den „Trail of Tears“, der seinen Namen bei einer großen Umsiedlung von Einheimischen Amerikanern erlangte. Bei der Umsiedlung unter der Anordnung des Indianerhassers kamen tausende Einheimische ums Leben.

    Dieses Ereignis liegt nun schon fast 200 Jahre zurück. Bis 2030 (falls nicht nur noch Kreditkarten existieren) soll dann Harriet Tubman die Jackson-Scheine in den Portemonnaies der Amerikaner ersetzen.

    Warum ist das überhaupt interessant? Auch Harriet Tubman starb bereits 1913, sie war nicht Präsidentin, sie war keine militärische/öffentliche Figur. Was Tubman leistete verdiente vor dem Bürgerkrieg in den 1860er Jahren sicher keinen Orden. Sie schmuggelte illegaler Weise etliche Sklaven (wie sie selbst einst) über die „Underground Railroad“ in den Norden, wo die Freiheit blühte. Die „Underground Railroad“ war ein Netz aus undercover-Sklaven-Sympathisanten, die flüchtenden Sklaven, z.B. Obdach gewährten.

    Doch für Afro-Amerikaner stellt sie noch heute eine Freiheitskämpferin dar. Eine Frau, die gegen das weiße System kämpfte, mit Leib und Leben. Schon 1913 bekam Harriet Tubman zu ihren Ehren ein Militärbegräbnis. Im Gegensatz zu ihr steht Präsident Andrew Jackson für Sklavenhaltung, Hass und schlechte Entscheidungen.

    Figuren auf den Geldscheinen haben in den USA einen höheren Stellenwert als die Euroscheine in Europa. Sie reihen sich ein in die tausenden Artefakte, die den Amerikanern das Gefühl geben, das beste und mächtigste Land der Welt zu sein. Wer Amerikaner ist und wer nicht, wird schon seit Jahrhunderten debattiert. Schwarze stehen noch immer vor einer sozial höheren Wand als Weiße.

    Aber nicht nur der Gleichberechtigung von Weiß und Schwarz wird somit ein Denkmal gesetzt, sondern auch der von Frauen und Männern. Eine schwarze Frau als Symbol für Nationalismus könnte den Gipfel einer neuen Sichtweise auf die amerikanische Kultur bedeuten. Umfragen beweisen, dass Gleichberechtigung von Frauen und Männern anscheinend immer mehr wahrgenommen wird. Rassismus dagegen habe sich verschlechtert. Das Ur-Verbrechen der Sklaverei wird nicht ansatzweise so stark aufgearbeitet wie der Holocaust in Deutschland.

    Geschichte als gemeinsame (schwarze und weiße, männliche und weibliche) Wurzel für Nationalgefühl anzuerkennen kann ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein. Wirklich helfen wird die Banknote dem Zweck #Blacklivesmatter aber nicht. Der Wohlstand des Landes wurde größtenteils durch Sklavenarbeit auf Baumwollplantagen erarbeitet. Und statistisch werden mehr Weiße als Schwarze den neuen Geldschein in der Hand halten dürfen.

    Immerhin Einsicht: Die Geschichte der USA und auch Europas besteht nicht aus großen weißen Präsidenten, die ihre Unterschrift unter Dokumente setzten, sondern besonders eben auch aus Frauen wie Harriet Tubman, die den Verlauf diese maßgeblich beeinflussten.

     

     

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    Text: Larissa B.
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  • House of Cards – Ist Donald Trump ein Frank Underwood?

    Frank Underwood, die Hauptfigur der Serie House of Cards, schaut beinahe gelangweilt in die Kamera und spricht als fiktiver Präsident der vereinigten Staaten mit den Zuschauern: „Ideologie ist was für Schlappschwänze, nichts für mich.“ Zynismus fließt in seinen Adern dicker als Blut.

    In der Serie geht es um Frank, der seinen Weg zur Macht mit Leichen pflastert und keine Skrupel kennt. In Washington intrigiert er, erpresst und mordet sogar. Einen moralischen Kompass hat Frank nicht und obwohl er Demokrat ist, hat er tatsächlich keine wirklichen Ziele außer sich selbst. Ideologie steht ihm schon einmal nicht im Weg, womit er effizienter handeln kann als jeder andere Präsident – zumindest wird es im Washington von House of Cards so dargestellt.

    Er ist zum fiktiven grausamen Idol des politisch stagnierten Amerikas geworden. Es ist nur eine Serie, doch sie bot eine Art Vorausschau auf die kommenden Wahlen in den USA. Figuren wie Underwood entstehen in einem politischen System, das jegliche Entscheidungen  blockiert. In der Obama-Regierung ist dies sehr stark zu beobachten. Der Präsident ist auf Stimmen des Senats und des Kongresses angewiesen, die vorrangig aber Republikanisch sind. Jegliche Gesetzgebung wird von diesen blockiert. Frank schafft es aber schon vor seiner Präsidentschaft durch Erpressung und Intrigen Stimmen für Gesetzte zu gewinnen. „He gets shit done“, und macht weiter, ohne über Moral nachzudenken.

    Was hat das nun mit der aktuellen Debatte über die Präsidentschaftswahl zu tun?  Trump ist eben so ein Kandidat. Trump geht es ebenfalls nur um sich selbst. Er steht nicht wirklich hinter einer Partei und er sagt das, was ihn seiner Meinung nach den Weg zur Macht eröffnet, selbst wenn er an einem anderen Zeitpunkt das Gegenteil behaupten muss. House of Cards war deshalb nur eine Vorschau welche Art von Person die folgenden Wahlen bewegen würde.

    Ist Trump also doch viel gewiefter als wir ihn hier in Europa einschätzen? Ist er tatsächlich nur ein hochintelligenter Mensch, der begreift, dass das amerikanisch-politische System nur durch einen solchen Narzissmus noch bewegt werden kann? Ist er tatsächlich das Problem oder ist es Amerika selbst? Oder kurz gesagt: Ist Donald Trump ein Frank Underwood?

    Der Zweck heiligt die Mittel sagt man. Bewegung könnte Amerika sichtlich gut tun. Trump zeigt aber in die falsche Richtung. Ab wann wird Macht der alleinige Zweck?

    Underwood und Trump mögen aus dem gleichen Holz geschnitzt sein. Dabei ist Frank allerdings eine edle Skulptur und Trump höchstens ein billiger Holzlöffel. Über einen Marktschreier wie Trump würde Frank Underwood nur genervt den Kopf schütteln. Vielleicht wüsste er wenigstens, was das Volk noch mehr begeistern würde als eine schlechte Föhnfrisur und unseriöse Hasstiraden. Trump schreit, Frank denkt.

    Mit Staffel 4 von House of Cards scheint Frank satirisch blonder als in den Staffeln zuvor. Eine Anlehnung an die Geschehnisse? Natürlich ist die Skrupellosigkeit hier völlig übertrieben.  Frank als einen hinterhältigen aber optimistischen Erlöser für das stagnierte Washington zu sehen, ist besser als Trump als eine Trotzreaktion auf den selbstversachten Stillstand zu wählen.

    Nein, Trump ist kein Frank Underwood. Trump ist einer der scheinbar ungebildeten Amerikaner, die ihn wählen, mit ein paar Millönchen mehr auf dem Konto. Trump ist hetzende Rhetorik. Frank Underwood dagegen ist Witz, Intelligenz, Überlegenheit. Er ist ein Alpha-Tier, das jeder ernst nimmt und zum Glück: fiktiv!

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: https://goo.gl/S4FXQ2

  • Trump auf dem Siegeszug

    Jeb Bush ist offiziell aus dem Kandidaturwettrennen der Republikaner ausgeschieden. Wer der Partei bleibt ist eine Horrorvorstellung für die Weltgemeinschaft. Ein rücksichtloser, egozentrischer, rassistischer Präsident der Vereinigten Staaten könnte verheerende Folgen haben. Bush wurde systematisch von den Republikanern ignoriert, bis er sich selbst aus dem Wettkampf zurückzog.

    Der Wind weht in Richtung Radikalismus nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Dabei war „the old Party“ (die republikanische Partei) nicht immer so rechts, wie sie es 2016 ist.

    Europa erinnert sich an Goerge W. Bush, der den Irakkrieg unter fragwürdigen Vorwänden anzettelte. Der Präsident, der dem Land einen hohen Schuldenberg hinterließ. Wirklich kleiner ist dieser auch mit Obama nicht geworden.

    Die Partei der Republikaner war einst die Fortschrittliche Soziale Partei Amerikas. Abraham Lincoln schaffte schließlich die Sklaverei ab – auch er war Republikaner. Eine imperialistische, rechtere Ader bekam die Partei erst sehr viel später. Was wir heute unter der republikanischen Partei verstehen, lässt sich mit ihrem Ursprung kaum noch vergleichen. Viel eher hat diese sich an die konservative „Tea Party“ angenähert.

    Die Partei scheint im Trotz zu versinken, nicht willig irgendwelche Kompromisse zu finden. In Obamas Präsidentschaft haben sie im Kongress fast jede seiner Reformen bis auf das äußerste blockiert und damit trotzdem nicht viel erreicht. Jetzt wollen sie einen, der das Ruder in die Hand nimmt – nein – der es an sich reißt.

    Die Wahl in den USA war immer schon ein Zweifrontenkrieg, doch die Linie zwischen den Parteien scheint mittlerweile ein riesiger Graben geworden zu sein. Ein Graben, den Trump momentan von einem Hochsitz überblicken kann.

    Man sollte nicht missverstehen: Viele Republikaner Politiker sind gegen eine Präsidentschaft Trumps. Doch ohne Jeb Bush sind ihnen die Alternativen ausgegangen. Ein Mann, der dem Frust nach Obamas Präsidentschaft endlich mal Luft macht, wird gebraucht. Einer der stänkert und Hasstiraden ausspricht, die sonst nur zu Hause vor dem Fox News Channel ausgesprochen werden. Gegen diese faulen Mexikaner, schnell ein Label auf eine ethnische Minderheit drücken, und sie aussperren. Alles aussperren, was nicht dem „liberal consensus“ entspricht.

    Clinton und Sanders kämpfen weiterhin um die demokratische Poleposition. Was die Amerikaner aber jetzt brauchen an der demokratischen Front ist einen klaren Sieger. Einen Gegenpol zu Trump.

    Er wird in Karikaturen schon mit Hitlerbart gezeichnet. Ein neuer Tyrann, im Ausland gehasst, im Inland verehrt. Trump könnte nicht nur ein Problem für Immigranten werden, sondern auch für uns...wenn er seine Versprechungen in einer Präsidentschaft umsetzt.

     

     

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    Text: Larissa B.
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  • Blau Rot Weiß – Nationalstolz erwünscht: Der Super Bowl 2016

    Vergangene Nacht, ca. 3 Uhr nachts hier in Deutschland, fand der amerikanische Super Bowl statt. 65.000 Fans fanden sich im Levi’s Stadion in Santa Clara in Kalifornien ein. Einige wenige Sportbegeisterte blieben auch hier so lange auf, um bei dem größten amerikanischen Sportevent dabei zu sein. Der Superbowl ist dort quasi gleichzusetzten mit einer Fußballweltmeisterschaft in Berlin mit der deutschen Nationalmannschaft im Finale.

    2006 wehten auf einmal auch wieder tausende deutsche Flaggen aus den Fenstern. Ein ungewohnter Anblick – da Nationalstolz in Deutschland ein fast so großes Mahnmal ist wie der Geschichtsunterricht in der Schule. Er ist nur erlaubt, wenn es um dieses kleine Runde Ding geht, dass unsere 11 durch die Gegend kickt. In Amerika ist Nationalstolz bekanntlich eine kollektive Pflicht. Wer nicht Flagge zeigt ist nicht amerikanisch, und wer nicht den Super Bowl schaut noch viel weniger.

    Auch dieses Jahr war das Event viel mehr als nur ein Football-Spiel. Der Super Bowl ist beinahe zu einem nationalen Feiertag geworden. Für die Werbepausen werden jahrelang Konzepte für die sündhaft teuren Werbeplätze ausgearbeitet, die eigens nur für den Superbowl entworfen werden. Die Resonanz und die Erreichbarkeit des Publikums sind an diesem Tag unübertroffen.

    Absolute Megastars feiern bei der Super Bowl-Feier ihre amerikanische Herkunft, es ist ein riesiger Aufriss in blau-rot-weiß. Amerika bestätigt sich selbst, dass es das angeblich größte Land der Welt sei und feuert die Panther oder die Broncos mit Stolz erfüllten Herzen an.  Lady Gaga sang in einem roten Glitzeranzug, mit blauen Fingernägeln und weißen Brillanten besetzten Mikrofon die Nationalhymne und wird seither von allen in höchsten Tönen gelobt. Eine Eskapade hätte sie sich bei diesem Event auch nicht leisten können.

    Den Super Bowl kann man aus europäischer Sicht mit zweierlei Maß messen:

    Einerseits fragt man sich, warum dieser naive, mythologie-behaftete Patriotismus in Amerika noch so in den Himmel gehoben wird, obwohl doch alle Welt weiß, dass das Land politisch, ökonomisch und sozial schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Zukunft des Landes sieht aus deutscher Sicht mit einem Kandidaten wie Donald Trump auch alles andere als gut aus.

    Auf der anderen Seite ist da ein gewisser Neid. Die Amerikaner dürfen stolz auf ihr Land sein, sie dürfen sogar die Wahrheit dafür ausblenden. Teilweise dafür belächelt, teilweise bewundert, aber in Amerika selbst sagt niemand etwas gegen eine gute Portion Patriotismus. Es ist ja nicht so als hätte Amerika ebenfalls eine Geschichte der rassistisch motivierten Verbrechen vorzuweisen, nein, Amerika hat noch immer genau solche Probleme.

    In Deutschland ist jeglicher Nationalstolz eine neue Pegida-Bewegung. Positiven Nationalstolz, der auf unseren Stärken und gemeinsamen Werten beruht sucht man hier vergeblich – eben außer zur Fußball-WM. Wie kann es sein, dass ein runder Ball unser einziger Stolz ist? Wie kann es sein, dass Nationalstolz für rechte Bewegungen instrumentalisiert wird?

    Es ist eine gefährliche Gradwanderung zwischen Nationalstolz und neuer Nationalsozialismus. Aber nur, weil bisher kein positiver Nationalstolz entwickelt wurde. Die Angst und die Scham überwiegt auch nach 70 Jahren noch. Reflexion ist gut und muss beibehalten werden. Aber positiven Nationalstolz (ohne die historischen Lügen und Ausblendungen) wie beim Super Bowl in Amerika kann diesem Land nicht schaden.

     

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    Text: Larissa B.
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