Wahlen

  • House of Cards – Ist Donald Trump ein Frank Underwood?

    Frank Underwood, die Hauptfigur der Serie House of Cards, schaut beinahe gelangweilt in die Kamera und spricht als fiktiver Präsident der vereinigten Staaten mit den Zuschauern: „Ideologie ist was für Schlappschwänze, nichts für mich.“ Zynismus fließt in seinen Adern dicker als Blut.

    In der Serie geht es um Frank, der seinen Weg zur Macht mit Leichen pflastert und keine Skrupel kennt. In Washington intrigiert er, erpresst und mordet sogar. Einen moralischen Kompass hat Frank nicht und obwohl er Demokrat ist, hat er tatsächlich keine wirklichen Ziele außer sich selbst. Ideologie steht ihm schon einmal nicht im Weg, womit er effizienter handeln kann als jeder andere Präsident – zumindest wird es im Washington von House of Cards so dargestellt.

    Er ist zum fiktiven grausamen Idol des politisch stagnierten Amerikas geworden. Es ist nur eine Serie, doch sie bot eine Art Vorausschau auf die kommenden Wahlen in den USA. Figuren wie Underwood entstehen in einem politischen System, das jegliche Entscheidungen  blockiert. In der Obama-Regierung ist dies sehr stark zu beobachten. Der Präsident ist auf Stimmen des Senats und des Kongresses angewiesen, die vorrangig aber Republikanisch sind. Jegliche Gesetzgebung wird von diesen blockiert. Frank schafft es aber schon vor seiner Präsidentschaft durch Erpressung und Intrigen Stimmen für Gesetzte zu gewinnen. „He gets shit done“, und macht weiter, ohne über Moral nachzudenken.

    Was hat das nun mit der aktuellen Debatte über die Präsidentschaftswahl zu tun?  Trump ist eben so ein Kandidat. Trump geht es ebenfalls nur um sich selbst. Er steht nicht wirklich hinter einer Partei und er sagt das, was ihn seiner Meinung nach den Weg zur Macht eröffnet, selbst wenn er an einem anderen Zeitpunkt das Gegenteil behaupten muss. House of Cards war deshalb nur eine Vorschau welche Art von Person die folgenden Wahlen bewegen würde.

    Ist Trump also doch viel gewiefter als wir ihn hier in Europa einschätzen? Ist er tatsächlich nur ein hochintelligenter Mensch, der begreift, dass das amerikanisch-politische System nur durch einen solchen Narzissmus noch bewegt werden kann? Ist er tatsächlich das Problem oder ist es Amerika selbst? Oder kurz gesagt: Ist Donald Trump ein Frank Underwood?

    Der Zweck heiligt die Mittel sagt man. Bewegung könnte Amerika sichtlich gut tun. Trump zeigt aber in die falsche Richtung. Ab wann wird Macht der alleinige Zweck?

    Underwood und Trump mögen aus dem gleichen Holz geschnitzt sein. Dabei ist Frank allerdings eine edle Skulptur und Trump höchstens ein billiger Holzlöffel. Über einen Marktschreier wie Trump würde Frank Underwood nur genervt den Kopf schütteln. Vielleicht wüsste er wenigstens, was das Volk noch mehr begeistern würde als eine schlechte Föhnfrisur und unseriöse Hasstiraden. Trump schreit, Frank denkt.

    Mit Staffel 4 von House of Cards scheint Frank satirisch blonder als in den Staffeln zuvor. Eine Anlehnung an die Geschehnisse? Natürlich ist die Skrupellosigkeit hier völlig übertrieben.  Frank als einen hinterhältigen aber optimistischen Erlöser für das stagnierte Washington zu sehen, ist besser als Trump als eine Trotzreaktion auf den selbstversachten Stillstand zu wählen.

    Nein, Trump ist kein Frank Underwood. Trump ist einer der scheinbar ungebildeten Amerikaner, die ihn wählen, mit ein paar Millönchen mehr auf dem Konto. Trump ist hetzende Rhetorik. Frank Underwood dagegen ist Witz, Intelligenz, Überlegenheit. Er ist ein Alpha-Tier, das jeder ernst nimmt und zum Glück: fiktiv!

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: https://goo.gl/S4FXQ2

  • Wir wählen keine Partei, wir wählen Pro oder Contra Flüchtlinge

    Die vergangenen Landtagswahlen haben bewiesen, dass die guten alten Zeiten eines SPD/CDU-Monopols vorbei sind. Zumindest solange, bis die Flüchtlingskrise wieder aus dem Scheinwerferlicht der Wahlen rückt. So schnell wird dieses Problem aber nicht von der Bühne treten. Diese solide Mitte, die sich seit Jahrzehnten in Deutschland etabliert hat, wurde zersplittert in einem politischen Erdbeben. Die Landtagswahlen haben der Unzufriedenheit und Angst, wenn auch eventuell humaner als erwartet, demokratischen Ausdruck verliehen.

    Diese Wahlnacht war nicht wie jede andere. Die Wahlbeteiligung war lange nicht so hoch. Wähler, die sich von keiner Partei vertreten gefühlt hatten, die aus Protest nicht wählten, haben nun die AfD gewählt. „Protestwähler“, werden sie in den Leitmedien genannt.  Es sind Wähler, die meist ohne sich über die Aussagen einer Partei zu informieren, aus Protest, das radikale Gegenteil wählen. Wahrscheinlich sind diese momentan Deutschlands größtes Problem.

    Ist eine Beteiligung an der Demokratie, in eine eher anti-demokratische Richtung, aus Protest nun demokratisch? Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt unglaubliche 24 %. Für viele ist die AfD die einzige Partei, die die Sorge und Ängste der Bevölkerung ernst nimmt.

    Deutschland hat Angst seine Kultur zu verlieren. Dabei muss gesagt werden, dass Kultur die Gesamtheit geistiger Leistungen einer Bevölkerung sind – von Menschen. Kultur verändert sich ständig und jeden Tag. Werden Flüchtlinge unsere Kultur verändern? Ja! Wird Deutschland seine Identität verlieren? Nein! Nicht wenn alle aktiv an einer solchen Veränderung teilnehmen, anstatt auf Stagnation zu beharren.

    Trotzdem, wenn die mittleren Parteien es nicht schaffen, ein Gehör für zumindest ihre Stammwähler zu entwickeln entsteht ein Wahlergebnis wie in Sachsen-Anhalt.

    Wahlbeteiligung ist schön und gut. Demokratie, die Herrschaft des Volkes, sollte das höchste Gut Deutschlands sein. Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung nur zu begrüßen. Allerdings ist es offensichtlich, dass es in diesen Wahlen  nicht mehr um das deutsche Volk ging, sondern um Flüchtlinge. Allem Anschein nach war die Position, die mehr oder weniger starke Kandidaten der Parteien, Flüchtlingen gegenüber vertraten, wichtiger als das eigentliche Wahlprogramm.  In dieser Wahl wählte man Pro oder Contra Flüchtlinge, oder aus der Sicht der AfD, Pro oder Contra Deutschland.

    Dieses politische Erbeben, die Zerstörung der alt-deutschen Ordnung, ist also irreparabel mit dieser Krise verbunden. Es ging in diesen Wahlen nicht um das gesamte Wahlergebnis, sondern um das der AfD. Man sollte dieses rechte Phänomen dennoch nicht größer machen als es ist. Deutschland ist nicht rechts – noch nicht. Ein Teil Deutschlands protestiert gegen Flüchtlingspolitik, und Merkel bekommt die Quittung.

     

     

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    Test: Larissa B.
    Bild: http://bit.ly/1YQJUWD

  • Trump auf dem Siegeszug

    Jeb Bush ist offiziell aus dem Kandidaturwettrennen der Republikaner ausgeschieden. Wer der Partei bleibt ist eine Horrorvorstellung für die Weltgemeinschaft. Ein rücksichtloser, egozentrischer, rassistischer Präsident der Vereinigten Staaten könnte verheerende Folgen haben. Bush wurde systematisch von den Republikanern ignoriert, bis er sich selbst aus dem Wettkampf zurückzog.

    Der Wind weht in Richtung Radikalismus nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Dabei war „the old Party“ (die republikanische Partei) nicht immer so rechts, wie sie es 2016 ist.

    Europa erinnert sich an Goerge W. Bush, der den Irakkrieg unter fragwürdigen Vorwänden anzettelte. Der Präsident, der dem Land einen hohen Schuldenberg hinterließ. Wirklich kleiner ist dieser auch mit Obama nicht geworden.

    Die Partei der Republikaner war einst die Fortschrittliche Soziale Partei Amerikas. Abraham Lincoln schaffte schließlich die Sklaverei ab – auch er war Republikaner. Eine imperialistische, rechtere Ader bekam die Partei erst sehr viel später. Was wir heute unter der republikanischen Partei verstehen, lässt sich mit ihrem Ursprung kaum noch vergleichen. Viel eher hat diese sich an die konservative „Tea Party“ angenähert.

    Die Partei scheint im Trotz zu versinken, nicht willig irgendwelche Kompromisse zu finden. In Obamas Präsidentschaft haben sie im Kongress fast jede seiner Reformen bis auf das äußerste blockiert und damit trotzdem nicht viel erreicht. Jetzt wollen sie einen, der das Ruder in die Hand nimmt – nein – der es an sich reißt.

    Die Wahl in den USA war immer schon ein Zweifrontenkrieg, doch die Linie zwischen den Parteien scheint mittlerweile ein riesiger Graben geworden zu sein. Ein Graben, den Trump momentan von einem Hochsitz überblicken kann.

    Man sollte nicht missverstehen: Viele Republikaner Politiker sind gegen eine Präsidentschaft Trumps. Doch ohne Jeb Bush sind ihnen die Alternativen ausgegangen. Ein Mann, der dem Frust nach Obamas Präsidentschaft endlich mal Luft macht, wird gebraucht. Einer der stänkert und Hasstiraden ausspricht, die sonst nur zu Hause vor dem Fox News Channel ausgesprochen werden. Gegen diese faulen Mexikaner, schnell ein Label auf eine ethnische Minderheit drücken, und sie aussperren. Alles aussperren, was nicht dem „liberal consensus“ entspricht.

    Clinton und Sanders kämpfen weiterhin um die demokratische Poleposition. Was die Amerikaner aber jetzt brauchen an der demokratischen Front ist einen klaren Sieger. Einen Gegenpol zu Trump.

    Er wird in Karikaturen schon mit Hitlerbart gezeichnet. Ein neuer Tyrann, im Ausland gehasst, im Inland verehrt. Trump könnte nicht nur ein Problem für Immigranten werden, sondern auch für uns...wenn er seine Versprechungen in einer Präsidentschaft umsetzt.

     

     

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    Text: Larissa B.
    Bild: http://goo.gl/UDppdx

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