Wenn Social Media unsozial wird

Immer erreichbar, immer am Handy, immer sozial aktiv. Er weiß alles von mir, der Gott des Internets, wo ich bin (gesendet aus Hamburg), mit welchem elektronischen Super-Gerät (von meinem Ipad gesendet), und was ich da genau mache (ein Eis essen, allein).

Ca. 3 Stunden hocken junge Erwachsene vor ihrem Handy, um sozial zu sein auf Social-Media Netwerken wie Facebook & Co. Eigentlich sind sie das auch, denn sie teilen Dinge mit Menschen, mit denen sie sich sonst wohl eher nicht privat treffen würden. Ist der allgemeine Smartphone-Nutzer jetzt sozialer?

Lösen wir unsere Probleme Mit Emoticons?

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Social-Media das soziale Leben der Menschen nicht unbedingt einschränkt, sondern eher erweitert. Warum lösen wir unsere Probleme aber mittlerweile mit Emoticons, die Emotionen ausdrücken, die wir gar nicht empfinden?

Sind wir gekränkt, zeigen wir dies meistens nicht. Eine Diskussion über WhatsApp anzufangen ist Blödsinn, obwohl man sonst fast nur so kommuniziert. Es ist also ein Raum geschaffen, der beinahe nur oberflächliche Konversation akzeptabel macht.

Mit WhatsApp können wir räumliche Distanzen im Handumdrehen überwinden. Wir können sehen, ob wir den Menschen schon erreicht haben (blaues Häkchen) oder noch nicht. Wir erwarten immer eine sofortige Antwort. Was ist daran nun problematisch?

Weniger Konzentration und Mehr Stress

Nun, zum einen erhöht es den sozialen Druck unter Freunden, auf der Arbeit und selbst in der Familie. Wenn es die Möglichkeit gibt, auf die Sekunde genau schriftlich mit jemanden zu kommunizieren, warum sollte sie nicht auch genutzt werden? So entstehen Streits unter Freunden, die es vorher gar nicht gegeben hat. Der ständige Blick auf das Handy und die damit verbundenen Erwartungen bedeuten für uns nur weniger Konzentration und zusätzlichen Stress.

Snapchat, das soziale Medium, das gerade am meisten im Trend liegt, löscht Nachrichten und Botschaften bereits nach 24h. Die App ist Ausdruck der Immer-Erreichbar-Erwartung unserer modernen Gesellschaft. Obwohl sie ein witziger Weg zur Kommunikation aus Spaß ist, wird sie immer mehr zu einem Kommunikationsmedium, das im Alltag genutzt wird und teilweise echten Kontakt ersetzt.

Die Maxime der Unverbindlichkeit

Die Maxime der Unverbindlichkeit der jüngeren Generation wird so nur noch weiter gefüttert. Unverbindlichkeit, die nur dann eine Ausnahme findet, wenn es um das blaue Häkchen geht. Wenn Botschaften sofort gelesen werden müssen, ohne dass ein tatsächlicher Diskurs von Frage und Antwort entsteht: inwiefern können wir uns noch in den anderen hineinversetzten?

Person A: Guck mal, was ich hier mache. Toll, oder?

Person B: Guck mal, was ICH hier mache. Besser, oder?

Wenn derartig ansteigende Selbstdarstellungen in Social-Media die zwischenmenschliche Kommunikation ersetzen, haben wir ein Problem. Ein Problem, das nur Media, das bei einer solchen Unterhaltung ab und zu keinen Platz finden darf.

Im Endeffekt treten wir durch solche sozialen Medien in den immerwährenden Wettbewerb um Ruhm und Ansehen an. Inwieweit dieser Wettbewerb aber unser Leben bestimmt, muss uns selbst überlassen bleiben.

Mehr zu diesem Thema:

https://www.contentwerk.eu/blog/wie-beeinflussen-social-media-die-gesellschaft/

 

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Text: Larissa B.
Bild: http://goo.gl/C4e4Df

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